Die Gedächtnismeisterschaft dieses Jahres habe ich bereits in einem früheren Beitrag zum Thema deutsche Gedächtnismeisterschaft angekündigt. Diese verlief dieses Jahr sehr erfolgreich. Erfolgreich heißt, dass zum einen neue Rekorde aufgestellt wurden. Es heißt aber auch, dass viele Menschen sich das Ganze nicht entgehen lassen wollten. Es gab eine große Menge Besucher, die sich für diese Sportart interessiert hat.

Ich habe Christian Schäfer gefragt, ob er einen kleinen Rückblick zu der Gedächtnismeisterschaft verfassen könnte. Ich freue mich, dass er meiner Anfrage gefolgt ist. Viel Spaß beim Lesen!

Deutsche Gedächtnismeisterschaften 2011 – der Rückblick

Am 16. und 17. September war es wieder soweit: Bei den Deutschen Gedächtnismeisterschaften wurden die besten Merker Deutschlands gesucht. Wie im vergangenen Jahr diente die Experimenta in Heilbronn als Austragungsort.

Der Sieger bei den Kindern hieß Konstantin Skudler (Berlin), bei den Junioren gewann Anna Barwinski (Neuenrade). Damit konnten beide ihre Titel verteidigen. Bei den Erwachsenen hingegen gab es einen Wechsel an der Spitze: Titelverteidiger Johannes Mallow musste sich dieses Jahr dem Münchener Simon Reinhard knapp geschlagen geben.

In allen drei Altersklassen wurde ein spektakulärer Wettkampf mit insgesamt elf neuen Weltrekorden geboten, so vielen wie nie zuvor. Vier neue Weltrekorde bei den Kindern gingen auf das Konto des zwölfjährigen Konstantin Skudler: Er merkte sich in fünf Minuten jeweils 210 Dezimalziffern sowie 468 Binärziffern in der richtigen Reihenfolge. In 30 Minuten konnte er 646 Dezimalziffern korrekt memorieren und beim „Textspeicher“ eine Punktzahl von 137 Punkten erzielen. Dies bedeutete einen deutlichen Sieg vor Lucia Marrala aus Magdeburg und Lucy Wegner aus Torgelow.

Anna Barwinski stellte ähnlich wie Konstantin bei den Junioren drei Weltrekorde im Alleingang auf: Sie konnte sich 67 Vokabeln und 74 fiktive historische Ereignisse mit Jahreszahl in je fünf Minuten korrekt einprägen. Außerdem gelang es ihr nach zehn Minuten Einprägezeit insgesamt 118 Namen den richtigen Personen zuzuordnen. Somit konnte auch sie mit einem eindeutigen Punktevorsprung ihren Titel vor Felix Podojil aus Burg und Marc Eggers aus Torgelow zu verteidigen.

Bei den Erwachsenen ging es im Gegensatz zu den Nachwuchsklassen deutlich knapper zu. Nach zwei starken neuen Weltrekorden des Magdeburgers Johannes Mallow in den ersten beiden Disziplinen (385 gemerkte abstrakte Bilder in 15 Minuten sowie 1320 korrekt eingeprägte Ziffern in 30 Minuten), begann Simon Reinhard im Laufe des Wettbewerbs seine Aufholjagd. Auch er konnte sich zunächst einen Weltrekord sichern: Er merkte sich in 15 Minuten 155 internationale Namen und die dazugehörigen Personen. Bei der abschließenden Disziplin, den „Speed Cards“ (der Königsdisziplin im Gedächtnissport), kam es zur Entscheidung: Johannes lag noch immer vorne, doch mit einer Fabelzeit von 21,19 Sekunden konnte Simon seinen eigenen Weltrekord im Merken eines Kartenspiels verbessern und somit im letzten Moment noch am Titelverteidiger vorbei ziehen. Gefolgt wurden die beiden vom 19-jährigen Christian Schäfer aus Netphen. Deutsche Frauenmeisterin wurde die erst 17-jährige Annalena Fischer aus Haßfurt, die mit Platz sechs in der Gesamtwertung ihre künftigen Ambitionen deutlich machte.

In diesem Jahr waren erneut auch internationale Gäste bei den „Memomasters“ vertreten. Doch weder dem Amerikaner Nelson Dellis noch dem ehemaligen Gedächtnis-Weltmeister Ben Pridmore aus England gelang es, unter die besten drei zu kommen, was das hochklassige Niveau dieser Meisterschaften unterstreicht.

Eine öffentliche Siegerehrung bildete den Abschluss der Wettkämpfe. Sie war eingebettet in ein Showprogramm, durch das Mentalmagier David Pricking führte. Neben der Ehrung und Auszeichnung aller Teilnehmer wurden die Zuschauer durch Magie ins Staunen versetzt und durften außerdem die Fähigkeiten des „Wetten dass“-Wettkönigs Florian Kreutz bewundern, der die Satelliten-Bilder jeder Stadt der Welt mit mehr als 500.000 Einwohnern kennt.

Am Ende waren sich alle einig: Die Organisation, die Experimenta als Austragungsort und nicht zuletzt die Sportler selbst haben ihren Teil zu einer tollen Veranstaltung und zwei hochinteressanten Tagen beigetragen. Und ein Blick auf die kommende Gedächtnis-WM Anfang Dezember in China verspricht ebenfalls Höchstspannung…

Fazit

Danke Christian für diesen tollen Rückblick. Wenn ich mir anschaue, welche Leistungen die Junioren bereits bringen, dann frage ich mich wann die Gedächtnistechniken endlich in den Schulen ankommen.

Die erwähnte WM in China wird sicherlich sehr hart. Gerade weil dort einige alte Hasen antreten. Aber das deutsche Team hat bisher auch bei den Weltmeisterschaften sehr gute Leistungen gebracht. Daher bin ich gespannt, was dabei heraus kommen wird.