E-Learning 2.0 hat eine Blog-Parade gestartet, in der der Frage nachgegangen wird ob das Web 2.0 unsere Lernstrategien verändert. Diese Frage ist sehr interessant, da wir heute viel am und mit dem Computer arbeiten, uns aber selten bewusst der Veränderungen werden, welche durch den PC sich im Alltag eingebürgert haben.

Was versteht ihr grundsätzlich unter lernen?

Lernen stellt für mich Veränderung und Erwerb von Wissen dar. Das Wissen muss nicht rein theoretisch sein, sondern beinhaltet auch die Aspekte der eigenen Erfahrung und somit der Praxis. Ich kann schließlich von anderen Lernen, dass das anfassen der Herdplatte nicht gut ist, oder ich stelle es selbst fest. Die anschließende eigene Entwicklung, sowohl die positive als auch negative, ist das Produkt des Lernens. Und um diese geht es hauptsächlich. Wir lernen, um uns zu entwickeln. Ich lerne, um mir neue Sachverhalte erklären zu können und verschlossene Türen, hinter denen etwas ist, was ich bisher nicht verstanden habe, zu öffnen.

Diese Frage beinhaltet viel mehr, so dass ich in einem separaten Beitrag darauf eingehen werde.

Welche Rolle spielen die Web-2.0-Tools beim Lernen für euch?

Viele Tools unterstützen mich beim Lernen und ersparen mir somit Zeit. Sei es zum Beispiel das Erlernen einer neuen Sprache und die Möglichkeit viele Informationen zu dieser Sprache im Netz zu finden. Oder auch ein Erinnerungstool für Wiederholungsübungen des Gelernten. Aber auch hier gilt: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Durch die große Menge an Tools wird viel Zeit mit diesen verloren, anstatt sich auf das tatsächliche Lernen zu konzentrieren.

Könnt ihr bei der Verwendung von Web-2.0-Tools Unterschiede zu herkömmlichen Lernstrategien (z.B. Wiederholen) feststellen?

Da stelle ich tatsächlich Unterschiede fest. Ich bin viel disziplinierter geworden, wenn es darum geht, das Gelernte zu wiederholen. Ich erstelle mit MindMap-Tools auch MindMaps, die ich anschließend mit anderen Menschen austauschen kann. Zudem kann ich mir Inhalte besser einprägen, weil ich mehr Sinne einbinden kann.

Inwieweit hat sich eurer Meinung nach durch die Möglichkeiten zur Kommunikation, Produktion, Kollaboration und Partizipation das Lernen geändert bzw. wird es sich ändern?

Die Veränderung ist jetzt bereits schon riesig und diese wird noch größer werden. Wir können uns viel schneller mit anderen austauschen oder wenn uns etwas nicht klar ist, andere um eine Erklärung bieten. Die gesamte Welt schreitet viel schneller voran. Das hat aber auch zur Folge, dass die Menge des zu Lernenden wächst und wir uns immer mehr und mehr unter Druck setzen.

Ich denke, dass das auch weiter so gehen wir und die gesamte Wissensmenge sich noch vergrößert. Dann müssen wir uns zwangsläufig auch beim Lernen auf einen Aspekt spezialisieren. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch die Frage ob die heutigen Bildungsinstitutionen so bestehen bleiben oder sich verändern.

Welche neuen Lernstrategien werden im Mitmachnetz notwendig?

Eine sehr gute Frage. Wir werden uns unter anderem die Strategie der Filterung des zu Lernenden besser aneignen dürfen, um in dieser Menge an Informationen nicht unter zugehen. Aber auch der gesamte Lernvorgang wird überdacht werden müssen. Ich bin gespannt, ob die Erkenntnisse der Neurobiologie hier einen Einfluss ausüben werden.

Fazit

Web 2.0 und eigenes Lernen ist eine sehr wichtige Frage, um die man heute nicht drum herum kommt. Schließlich sind die Unterstützungsmöglichkeiten beim Lernen sehr groß. Und diese werden noch nicht ausreichend genutzt.

Warum sonst lernen wir heute zum Beispiel Sprachen und beziehen nicht die Möglichkeit mit ein, diesen Lernvorgang durch das Internet intensiver zu unterstützen? Die Unterstützung des Lernens durch Lerntechniken, zu denen auch das Web 2.0 vieles beiträgt, wird bisher kaum beachtet, obwohl hier viel Potential steckt.

Ich bin auf die gesamte Entwicklung sehr gespannt.