Die einen schwärmen von den Vorzügen der Arbeit mit einem Lehrer (einer Lehrerin), wenn es um das Erlernen einer Fremdsprache geht. Andere bevorzugen Lernprogramme, mit denen sie völlig ohne Lehrer auskommen. Und was ist jetzt besser? Eine pauschale Antwort ist kaum möglich, weil beide Varianten Vorteile haben, die zudem – je nach Art des Lernprogramms oder des Lernens mit Lehrer – unterschiedlich stark ausfallen und die manch einer vielleicht sogar als Nachteil empfindet. Es kommt wohl einfach darauf an, wie man selbst am besten lernt und welcher Weg einem da am besten entgegenkommt. Um das einschätzen zu können, sollte man die Eigenschaften des jeweiligen Lernens aber erst einmal etwas besser kennen lernen.

Etwas Grundsätzliches zu Beginn

Vergleicht man Sprachen-Lernen mit Sprachlernprogramm mit dem Lernen, bei dem man durch einen Lehrer oder eine Lehrerin unterstützt wird, sollte man sich immer bewusst sein, dass auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Sprachlernprogrammen sowie verschiedenen Varianten des Lernens mit Lehrer groß sind. Ein Beispiel: Die meisten Sprachlernprogrammen bieten heute auch die Möglichkeit, Aussprache zu trainieren. Das eine oder andere bietet das allerdings nicht, was dann nicht nur ein Manko gegenüber anderen Sprachprogrammen, sondern auch gegenüber dem Lernen mit Lehrer ist. Noch ein Beispiel: Manche Programme bieten die Anbindung an ein Forum. In ihm kann man anderen Lernenden Fragen in Bezug auf die zu lernende Fremdsprache stellen, die gerade aufgekommen sind und vom Programm selbst nicht beantwortet werden. Das ist eine zusätzliche Komponente für individuelles Lernen.

Ähnlich große Unterschiede herrschen beim Lernen mit Lehrer: Es gibt Einzelunterricht, Kurse, Ferienkurse, von Software gestützten Unterricht mit Lehrer, der beide Formen des Lernens einer Sprache mischt, und weitere Varianten. Aufgrund dieser teils immensen Unterschiede innerhalb der beiden Kategorien lassen sich daher oftmals nur Tendenzen a la „Lernen mit Sprachprogramm ist tendenziell besser/schlechter in Bezug auf … als Lernen mit Lehrer“ feststellen. Wie stark Vor- oder Nachteile dann wirklich sind, hängt davon ab, welches konkrete Sprachprogramm man mit welchem konkreten Lernangebot mit Lehrer vergleicht.

Eigenschaften des Lernens mit digitalem Sprachkurs

Der größte Vorteil eines digitalen Sprachkurses ist wohl die Flexibilität, die er einem bietet. Man ist in der Regel viel freier als in einem Sprachkurs oder beim Einzelunterricht mit einem Lehrer, wann man lernt: morgens, mittags, abends oder mitten in der Nacht. Mit der passenden Sprachlern-App wird man auch unabhängig vom heimischen PC und kann Bus- und Zugfahrten fürs Lernen nutzen.

Im Vergleich zu Sprachkursen mit mehreren Schülern kann man als Lernender mit einem digitalen Sprachkurs auch die Menge an Gelerntem pro Zeiteinheit viel besser auf seine individuelle Lerngeschwindigkeit anpassen. Diesen Vorteil besitzt Lernen mit einem Sprachlernprogramm allerdings nicht pauschal gegenüber dem Lernen mit einem Lehrer, da sich Einzelunterricht mit Lehrer ebenfalls sehr gut an den individuellen Schüler anpasst, eventuell sogar noch besser.

Eigenschaften des Lernens mit (menschlichem) Lehrer

Lernprogramme sind durch die Art der ins Programm integrierten Übungen und Lernwege oft festgelegter als wirklich gute Sprachlehrer in der Art des Lehrens. Gute Sprachlehrer kennen eventuell sehr unterschiedliche Arten des Sprachunterrichts und können flexibler als ein Programm Arten des Lehrens wählen, die optimal zum Lernenden passen. Zugleich erweist sich die größere zeitliche Gebundenheit des Lernens mit Lehrer an bestimmte Lernzeiten, die viele eigentlich erst einmal als einen „Nachteil“ gegenüber dem Lernen mit Lernprogramm empfinden, bisweilen auch als Vorteil. Das gilt etwa für Schülerinnen und Schüler, die mit der Freiheit, lernen zu können, wann sie wollen, nur bedingt zurechtkommen und eine klarere (nicht selbst gewählte) vorgegebene Struktur brauchen, zu der etwa Vorgaben eines Lehrers gehören, bis zur nächsten Stunde dies und das zu lernen.

Eine Fremdsprache zu erlernen, hat viele Vorteile. Die Sprache kann einen im Beruf oder in einer Bewerbungsphase nützlich sein, weil sie als zusätzliche Qualifikation anerkannt wird und einen von anderen Bewerbern abhebt. Sie kann im Urlaub oder Zuhause für interessante und/oder den Horizont erweiternde Unterhaltungen mit Menschen sorgen, mit denen solche Unterhaltungen ohne die Fremdsprachenkenntnisse nicht möglich wären. All diese Vorteile reichen jedoch nicht bei jedem, die Eigenmotivation beim Lernen einer Sprache ausreichend zu stärken. Ein motivierender Lehrer vollbringt da bisweilen wahre Wunder, die ein Lernprogramm nicht vollbringen kann. Ebenso fällt es manch einem Lernenden leichter, in einer Gruppe mit anderen Menschen zu lernen, weshalb er (sie) den Sprachkurs jedem noch so guten Lernprogramm vorzieht.

Und was jetzt?

Sprachlernprogramme und Lernen mit Lehrer können beide dazu beitragen, dass man eine Sprache sehr gut lernt. Und was manch einer als Vorteil des einen Wegs empfindet, ist für den anderen vielleicht ein Nachteil. Es bleibt daher wohl vor allem eins festzuhalten: Man sollte sich nicht vorschnell für eine bestimmte Art des Lernens entscheiden, sondern bewusst eine Auswahl treffen, abhängig von eigenen Anforderungen an die Lernsituation, in die man sich begibt. Die beste Art des Lernens ist diejenige, die individuell am besten funktioniert.

Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer von Lingo24, einem Übersetzungsunternehmen, das professionelle Übersetzungen anbietet. Folge Christian auf Twitter unter @l24de.