Lernen 2.0 und die Auswirkungen auf das Lernverhalten Ziele setzen als Lernfaktor
Feb 232010

Eine Frage, die jeder Lernende (und nicht nur dieser) kennt. Es sind solche Aussagen wie “Ich kann mich nicht motivieren, dabei ist der Lernstoff doch so wichtig”. Mehr schlecht als recht macht man sich anschließend doch noch an die Aufgabe (dazu noch viel zu spät) und schafft diese dementsprechend nicht zufriedenstellend.

Anschließend werden noch Ausreden gesucht, warum es nicht geklappt hat, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Fakt ist allerdings, dass der negative Beigeschmack des Scheiterns zurück bleibt. Es muss allerdings nicht immer so sein. Motivation ist das Stichwort!

An dieser Stelle sind allerdings zwei Fragen entscheidend: Was ist Motivation? Und wie kann man sich zum Lernen motivieren? In diesem Artikel gehe ich diesen Fragen nach und gebe Tipps dazu wie man sich zum Lernen motivieren kann.

Dabei erkläre ich vor den Tipps noch etwas Theorie, damit es einem klarer wird wie wir uns motivieren können.

Was ist “motivieren”?

Besser gefragt: Was eigentlich ist Motivation? Jeder hat hier seine eigene Definition (schreib doch mal was du unter Motivation verstehst ;) ), so dass der Begriff meist nicht direkt fassbar ist. Auf dieser Seite werden zum Beispiel einige dieser Definitionen dargestellt.

Aus der sprachlichen Sichtweise betrachtet kommt das Wort vom lateinischen Wort “movere” und bedeutet “etwas bewegen”. Und das ist meiner Meinung nach auch ausreichend um das Wort zu definieren. Wenn wir uns motivieren wollen, dann wollen wir etwas in uns selbst bewegen. Im Lernbereich ist es übrigens meist die Handlung zum Lernen selbst, die wir bewegen wollen.

Ein wichtiger Punkt ist die Unterscheidung der Motivation in extrinsisch und intrinsisch.
extrinsische Motivation
Unter extrinsischer Motivation wird die von aussen gesteuerte Motivation verstanden. Wenn ich eine Aufgabe machen muss, weil ich sonst Ärger kriege oder die Aufgabe mir Geld einbringt, dann gehe ich dieser nach.

intrinsische Motivation
Die intrinsische Motivation ist die von innen heraus kommende Motivation. Macht mir die Aufgabe Spaß? Erkenne ich den Sinn in dieser Aufgabe?

Sowohl bei der ex- als auch intrinsischen Motivation wird noch in die Bereiche Gefühle bzw. Emotionen und die an den Verstand appellierende Faktoren bzw. Rationalität unterschieden. Gefühle sind in diesem Fall der Ärger durch andere oder der eigene Spaß an der Aufgabe. Die an den Verstand appellierende Faktoren sind das Geld oder die Erkennung des Sinnes in einer Aufgabe.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die positive und negative Motivation. Negativ wäre im emotionalen Bereich der Ärger, positiv der Spaß. Im kognitiven Bereich wäre die negative Motivation wenn mir für die Nicht-Erfüllung einer Aufgabe kein Geld gezahlt wird oder ich sogar Geld verliere. Positive Motivation wäre die klare Sinnerkennung einer Aufgabe.

Es sind also sechs Bereiche, die Einfluss auf unsere Motivation haben (in Klammern habe ich die Abkürzung, die ich später nutze, für diese Faktoren dargestellt):

  • extrinsische Faktoren (ex)
  • intrinsische Faktoren (in)
  • Emotionen (em)
  • Rationalität (ra)
  • positive Faktoren (po)
  • negative Faktoren (ne)

Dabei sind

  • intrinsische Faktoren stärker als extrinsische,
  • Emotionen bedeutender als die Rationalität,
  • und negative Faktoren stärker als positive.

Dieser Satz ist ganz wichtig! Das ist die wichtigste Grundlage der Motivation, auf der die zweite Frage beantwortet werden kann.

Wie kann ich mich zum Lernen motivieren?

Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht alle sechs Motivationsfaktoren zu kombinieren. Und dazu rate ich jedem, der ein optimales Ergebnis erzielen will. Folgendes Vorgehen hat sich dabei bewährt:

Eingrenzung der Aufgabe.
Ich grenze die gesamte Aufgabe ein, indem ich mir schriftlich notiere was genau zu dieser Aufgabe gehört bzw. was diese Aufgabe ist. Wenn ich also für ein Fach lernen muss, dann schaue ich genau nach, was zum Lernen des Faches gehört. Wenn ich einer neuen Tätigkeit nachgehen muss, schaue ich genau was in den Bereich dieser Tätigkeit fällt.

Wie gut fühle ich mich, wenn ich diese Aufgabe erledige? Po-in-em Einfluss
Ich stelle mir vor, dass ich diese Aufgabe bereits erledigt habe und beobachte dabei meine Gefühle. Wie erleichtert ich doch bin, diese schwere Aufgabe erledigt zu haben. Dabei ging es auch so leicht, nachdem ich mich nur dazu entschlossen habe. Und wie glücklich ich jetzt bin. Ich fühle mich einfach frei!

Wichtig ist hierbei die Gefühle tatsächlich zu erleben. Wer bisher den Weg nie beschritten hat, dem wird es etwas komisch vorkommen sich so was vorzustellen. Ich rate allerdings es zu wagen und nicht gleich nach dem ersten Fehlschlag aufzugeben. Malt euch die Erledigung der Aufgabe in den schönsten Farben aus.

Welche negativen Gefühle entstehen beim Scheitern an der Aufgabe? Ne-in-em Einfluss
Das gleiche Spiel, nur mit negativen Gefühlen. Was ist das für ein Gefühl versagt zu haben? Wie lausig fühle ich mich? Dabei war die Aufgabe so leicht und ich bin gescheitert! Ich habe einfach versagt.

Auch hier gilt es sich so gut wie möglich auf die Gefühle einzulassen

Welchen Sinn hat die Aufgabe überhaupt? Po-in-ra Einfluss
Warum sollte ich diese Aufgabe machen? Und welchen Zweck erfüllt diese? Welchen Sinn macht es diese Aufgabe zu erledigen? Wie bringt mich diese Aufgabe voran? Kurzfristig? Langfristig?

Hierbei gilt es sich auf den positiven Aspekt zu konzentrieren und bei der anstehenden Aufgabe den Sinn zu finden.

Wie stark wirft mich das Scheitern bei der Aufgabe zurück? Ne-in-ra Einfluss
Hänge ich jetzt im Fortschritt hinterher? Wie stark hat mich das Scheitern zurück geworfen? Wäre ich mit der Erledigung der Aufgabe nicht bereits viel weiter? Und wie weit bin ich jetzt von meinen Zielen?

Die negativen Aspekte sollen genauer betrachtet werden, so dass klarer wird, welche Folgen das Scheitern bei der Aufgabe für einen bringt.

Welche externe Einflüsse hat das Meistern der Aufgabe? Po-ex-ra Einfluss
Welche Belohnung göhne ich mir, wenn ich die Aufgabe schaffe? Kaufe ich mir eine neue CD? Ein neues Buch? Werde ich befördert? Wie stark verbessert sich mein Durchschnitt mit der 1 in der Klausur? Werde ich zu einem gefragten Experten auf dem Gebiet dieser Aufgabe? Wie viel Geld kriege ich für die Erledigung der Aufgabe?

Auch hier gilt es die positiven Einflüsse aus rationaler Sichtweise zu sehen.

Welche Konsequenzen hat das Scheitern bei der Aufgabe? Ne-ex-ra Einfluss
Was passiert beim Scheitern? Werde ich gefeuert? Bleibe ich sitzen? Muss ich eine Strafe zahlen?

Alle rationale, negative Einflüsse sollten hier einbezogen werden.

Und welche negativen Reaktionen der Umwelt erlebe ich beim Scheitern? Ne-ex-em Einfluss
Was ist das für ein Gefühl von anderen ausgelacht zu werden? Und wie fühle ich mich, wenn ich das enttäusche Gesicht von Menschen sehe, die mir wichtig sind? Wie unerträglich das Gefühl ist! Ich möchte mich am liebsten einfach nur verkriechen und gar nicht mehr zeigen.

Die negativen Gefühle sollten so stark wie möglich durchlebt werden.

Positive Reaktionen aus der Umwelt bei der Erledigung der Aufgabe? Po-ex-em Einfluss
Wer freut sich mit mir und für mich, wenn ich diese Aufgabe erledige? Wie stolz ist mein Partner auf mich? Wie glücklich ich mich fühle, dass die wichtigsten Menschen in meinem Leben sich mit mir freuen! Und wie neidisch sind andere, dass ich es geschafft habe? Was ist das für ein Gefühl, wenn der Chef/Lehrer (bzw. ein Mensch, dessen Meinung mir wichtig ist) mir gratuliert und dabei auf die Schulter klopft?

Diese Gefühle sollten so intensiv wie möglich durchlebt werden.

Fazit

Die klaren Trennlinien zwischen den sechs Faktoren zu ziehen ist ziemlich schwer. Bei der Motivation ist es wichtig sich so gut es geht zu “beeinflussen”. Dabei kann ich das Wort Emotionen immer wieder nur unterstreichen. Die Handlung erfolgt erst, wenn der eigene emotionale Wille vorhanden ist. Falls diese mit rationalen Argumenten gepaart werden, dann steht nichts mehr im Wege!

Ebenso habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht bei wichtigen Aufgaben die Motivationsgrundlage aufzuschreiben. Das hat den Vorteil, dass ich mir über mehrere Sinnkanäle verdeutliche warum ich diese Aufgabe erledigen will. Zudem kann ich die Gründe auch immer wieder nachlesen, falls meine Motivation sinkt. Die Kombination positiver-negativer-positiver Einfluss hat es ebenfalls in sich.

Was kann man allerdings tun, wenn es einem dennoch nicht gelingt sich für eine Aufgabe zu begeistern? Nun, dann gibt es noch folgende Wege:

  1. Einfach beginnen. Die Lust kommt dann von alleine
  2. Zuerst eine kleine Aufgabe erledigen, um sich auf diese einzustimmen
  3. Ist die Aufgabe zu groß und undurchschaubar? Dann teile die Aufgabe in Teilaufgaben!

Falls die Lustlosigkeit bzw. Scheu vor der Aufgabe noch immer vorhanden ist oder man sich einfach nur unwohl fühlt, dann sollte man sich ernsthaft fragen ob es überhaupt Sinn macht dieser Aufgabe nachzugehen und seine Zeit nicht lieber anderen Zielen widmen sollte.

Und wie motiviert ihr euch? Welche Erfahrungen habt ihr in dieser Hinsicht gemacht?


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4 Antworten to “Wie kann ich mich zum Lernen motivieren?”

Kommentare (4)
  1. Vanbassten sagt:

    Ich frage mich jetzt, wie die Bereitschaft zum Lernen langfristig erhalten bleibt! Ich denke nämlich, dass Motivation zum Lernen die Einsicht bzw. Vernuft und damit ein Gewissen voraussetzt. Das Gewissen wird meiner Meinung nach durch externe Faktoren extrem eingeschränkt und das wird fast jeder Schüler, der täglich die neuen Medien konsumiert, bestätigen können. Somit spielen auch gesellschaftliche Kriterien eine Rolle, die das eigene Fehlverhalten (Spichwort: “Mein Hund hat meine Hausarbeit gefressen”) natürlich nicht entschuldigen. Ich habe auch mit solchen Problemen auch zu kämpfen. Letztendlich kann man einfach nur sagen, dass die heutigen Teenager einfach zu faul sind und gewisse Tugenden wie Disziplin einfach verloren gegangen sind, die aber ja eigentlich so entscheidend sind.

  2. Sergej Jost sagt:

    @Vanbassten: Die Motivation langfristig aufrecht erhalten erfolgt nur über die Gefühlsbeeinflussung. Selbst wenn dein Hobby anstrengend ist, solange du Spaß daran hast, wirst du diesem auch nachgehen. Zudem spielt hier das eigene Zielmanagement eine riesige Rolle, darauf werde ich allerdings in einem gesonderten Artikel eingehen.

    Die externen Faktoren und somit auch die Gesellschaft spielen nur dann eine Rolle, wenn ich Wert darauf lege. Das zu erkennen stellt allerdings ein Problem dar, und das wirkt sich auch auf Teenager aus, wie du vollkommen richtig sagst. Ich würde allerdings die Teenager/Jugendlichen/Menschen von heute allerdings nicht undiszipliniert bezeichnen. Dazu fallen mir spontan nur zwei Zitate ein:

    “Die Jugend von heute liebt den Luxus,
    hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität.
    Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander
    und tyrannisieren ihre Lehrer.”
    (Sokrates, gr. Philosoph, 470-399 v.Chr.)

    Das zweite Zitat:

    “Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes,
    wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt.
    Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.”
    (Aristoteles, gr. Philosoph, 384-322 v. Chr.)

    In meinen Augen ist es wie gesagt eher die Ziellosigkeit, die fehlt. Denn mit eigenen Zielen kommt auch der eigene Wille wieder. Oder wie siehst du das?

  3. Vanbassten sagt:

    @sergej: ja, ziellosigkeit spielt auch eine zentrale rolle! viele schüler kennen ihre eigenen schwerpunkte nicht und sind nicht über spätere möglichkeiten bezüglich studium oder ausbildung aufgeklärt.
    die fehlende disziplin, die ich bereits angesprochen hatte, ist aber ja vielleicht auch ein indikator auf die ziellosigkeit bzw. voraussetzung für ziele! schließlich müssen sich schüler zwangshaft auch mit dem unterrichtsstoff auseinandersetzen, der nicht so spannend zu sein scheint.
    allerdings ist disziplin auch wieder abhängig von einem ziel, welches vorhanden sein sollte um den eigenen willen hervorzurufen bzw. wiederherzustellen. die beiden zitate von dir treffen völlig zu, denn teenager sind in die meisten bereichen tatsächlich unverantwortlich und wissen nicht mit pflichten umzugehen.

  4. Sergej Jost sagt:

    Das ist halt die Frage nach der Henne und dem Ei. Was war da wohl zuerst? Und was hängt nun tatsächlich wovon ab? Die Disziplin von Zielen oder die Ziele von der Disziplin? Ich tendiere zu der ersten Variante, denn wenn ich Ziele habe, dann bin ich eindeutig disziplinierter. Andersherum erscheint es mir etwas sinnloser, wenn ich diszipliniert Aufgaben nachgehe, aber überhaupt keine Ziele verfolge. Das entspricht dem Verhalten der Mehrheit. So geht der Tag rum und man hat dies und jenes gemacht, am Ende ist allerdings nichts heraus gekommen.

    Die beiden Zitate haben eins gezeigt: Über die Jugend wurde bereits früher geklagt. Und dennoch haben wir uns so weit entwickelt :) Ziele braucht das Land. Ziele braucht der Mensch!

    Ich weiß allerdings nicht genau ob nun die Henne oder das Ei zuerst da waren ;)

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