Wozu ist eigentlich heute noch das Lernen notwendig? Schließlich führt uns das Navigationssystem zum Ziel, die Telefonnummern sind im Handy eingespeichert und die Termine stehen im Kalender. Was aber, wenn die Karte des Navigationssystems nicht aktualisiert wurde, das Handy verloren geht und der Terminplaner einfach verschwindet?

Immer mehr Menschen in Deutschland klagen über Vergesslichkeit. Es fängt bei den kleinen Dingen des Alltags an, wie zum Beispiel verlegen des Schlüssels. Den Namen der Gesprächspartner vergessen ist ein weiteres Problem, welches vor allem zum negativen Beigeschmack in den zwischenmenschlichen Beziehungen führt. Und wenn man sich nichts merken kann, was für die Prüfungen relevant ist, so scheitert man letztendlich auch im weiteren Berufsleben.

Als Folge entstehen Angst und Stress, welche vom Freund Frustration begleitet werden. Warum ist es aber so? Und was kann dagegen gemacht werden?

Das Zeitalter der digitalen Demenz

Im Jahr 2007 wurde in Korea eine Beobachtung bei den Berufstätigen zwischen 20 und 30 durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass über 60% der Personen über Vergesslichkeit klagen. Dazu gehörten bereits solche kleinen Sachen wie die eigene Telefonnummer oder die PIN merken, ein Gedicht im Kopf zu behalten oder die Frage „Was habe ich heute Mittag gegessen?“. Das führte vor allem dazu, dass die Angstzustände und Stresssituation immer häufiger auftraten und das Selbstvertrauen der Menschen, laut eigenen Angaben, immer mehr abnahm. Welcher Schaden für die Industrie bei diesen Voraussetzungen entstand, konnte nur vermutet werden.

Die steigende Informationsflut wird als eine der Ursachen für diese Veränderung erkannt. So wurde zum Beispiel festgestellt, dass jeder alle 11 Minuten im Schnitt seine Arbeit unterbricht, um sich anderen Dingen, wie zum Beispiel Telefonate oder E-Mails prüfen, zu widmen. Abgesehen davon, dass man dabei aus dem Arbeitsprozess herausgerissen wurde, schwindet auch die Konzentration unter der dauerhaften Belastung.

Die Folgen der Digitalisierung

…sind nicht zu unterschätzen.

Abhängigkeit von der digitalen Welt ist eine Folge, die immer stärker ins Licht rückt. So gibt es bereits heute Therapien, die Menschen helfen sollen, der digitalen Sucht zu entkommen.

Desozialisierung wäre eine weitere Folge. Der Mensch ist ein Herdentier und benötigt den Kontakt zu anderen Menschen. Vor allem ist es für unser Gedächtnis wichtig, da das Zusammensein mit anderen die Gedächtnisleistung fördert.

Ebenso nicht zu vernachlässigen wäre der Zeitverlust, der uns für das ständige Suchen entsteht. Hier denke ich zum Beispiel auch an die Menschen, denen das Einmaleins schwer fällt. Bei der Eingabe der kleinsten Zahlen gehen bereits wertvolle Minuten verloren.

Unfähigkeit der Zusammenhangerkenntnisse ist ein weiterer Nachteil, der entsteht. Je mehr Wissen wir an die digitalen Helfer auslagern, desto weniger bleibt im Kopf. Das führt dazu, dass wir unterschiedliche Wissensdisziplinen nicht mehr miteinander verknüpfen können, weil uns vor allem die tiefer gehenden Erkenntnisse aus den einzelnen Bereichen fehlen. Wenn man es genauer nimmt, dann kann ja kein neues Wissen entstehen.

Wir wissen bereits heute, dass wir im späten Alter nicht an Alzheimer erkranken wollen. Leider fördern wir die Entwicklung dahin, wenn wir unser Wissen an die digitalen Geräte „auslagern“.

Der Wert am Arbeitsmarkt sinkt ebenfalls, falls das Wissen nicht vorhanden ist. Unternehmen sind vor allem darauf bedacht, Menschen zu fordern und fördern, die auf lange Sicht ein Gewinn für das Unternehmen sind.

Das Gedächtnis funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Sobald wir uns dafür entscheiden einzelne Hirnregionen bzw. Fähigkeiten nicht häufig zu nutzen, werden diese brach gelegt. Schließlich kostet es nur unnötige Energie nicht genutzte Fähigkeiten stets parat zu halten. Auf das Gedächtnis werde ich allerdings noch in einem separaten Artikel eingehen.

Es ist kein Nachteil, wenn die digitalen Helfer UNTERSTÜTZEND genutzt werden. Das heißt zum Beispiel, dass ich nicht jedes Mal die Handynummer von X eintippen sollte, sondern einfach den Kontakt anklicke und die Nummer wird gewählt. Diese Nummer sollte mir selbst allerdings auch bekannt sein, so dass ich ohne das Handy auch zurecht kommen kann.

Ein kleiner Test

Wer feststellen möchte, wie abhängig er von den kleinen Helfern ist, kann einen kleinen Test absolvieren. Verzichtet bewusst eine/n Stunde/Tag/Woche sowohl auf das Internet als auch auf die sonstigen digitalen Helfer. Wie kommt ihr damit zurecht? Ihr könnt das Spiel natürlich auch in Gedanken durchgehen und genau überlegen welche Auswirkungen es hat. Am effektivsten wäre es allerdings diese Erfahrung zu sammeln.

Wie kann dem Ganzen entgegen gewirkt werden?

Die Antwort ist ganz einfach: Nutzt bewusst den eigenen Kopf und gebraucht die digitalen Helfer auch als Helfer. Begebt euch somit nicht in die Abhängigkeit!

Wenn ihr klein anfangen wollt, dann nutzt zum Beispiel solche Sachen wie die Telefonnummern, Namen oder Termine um euch diese zu merken. Um das Ganze auch mit Spaß zu betreiben, könnt ihr euch die Grundlagen der Lerntechniken anschauen und diese dafür nutzen.

Nutzt Bücher zum Wissenserwerb und lernt auch tatsächlich das, was ihr lest. Dieses Wissen kommt euch in mehrfacher Sicht zu Gute. Zum einen ist es schnell abrufbar, zum anderen entwickelt ihr früher oder später eine bessere Sichtweise auf die gelernten Dinge. Ihr erkennt vor allem andere Zusammenhänge.

Wer es groß angehen will, kann auch direkt mit dem Lernen einer Sprache anfangen. Das fördert ungemein das Gedächtnis! Sucht euch einen Sprachpartner und bringt euch gegenseitig voran.

Mit der Zeit werdet ihr die Erfolge immer mehr und mehr sehen und vor allem spüren. Auf Dauer ist es ein sehr großer Motivationsfaktor, der nicht zu unterschätzen ist.

Fazit

Lernen ist ein wichtiger Faktor für unsere Entwicklung. Um unser Gedächtnis stets auf Trab zu halten, sollte dieses auch bewusst genutzt werden. Zu bedenken gilt auch, dass wir unseren Körper heute so gut es geht trainieren wollen. Auf das Gedächtnis verlassen wir uns einfach und hoffen, dass es irgendwie klappt. Nur was bringt einen weiter voran?

Und wie ist es bei euch? Bemerkt ihr ebenfalls die Auswirkungen digitaler Demenz?