Unter Lernen wird allgemein das Aufnehmen von Informationen verstanden. Zu diesem Bereich gehören allerdings sehr viele Aspekte. Der typische Umgang mit dem Lernstoff, sei es für die Klausur, die mündliche Prüfung oder rein interessehalber, sieht wie aus? Man liest den Lernstoff durch, nickt, weil es logisch und verständlich klingt und widmet sich dem nächsten Thema. Wenn man sich mehr Mühe gibt, so schreibt man noch eine Zusammenfassung, liest diese paar Mal durch und gut ist.

Sobald es darauf ankommt auf diesen Lernstoff zurück zu greifen, ist plötzlich alles weg. Dabei war doch alles klar! Abgesehen davon, dass Frust entsteht, verändert sich nichts. Genau die gleiche Taktik wird beim nächsten Mal angewandt. Vielleicht noch intensiver.

Das muss allerdings nicht sein! Wie kann diese Herausforderung umgangen werden? Mit optimaler Wiederholung zum effizienteren Lernen!
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Wozu soll ich wiederholen?

Jeder prägt es: Wiederholungen sind wichtig, nur die Übung (was nichts anderes als eine Wiederholung ist) macht den Meister und ähnlich klingende Weisheiten. Auf die Nachfrage warum das Wiederholen so wichtig ist, kommt meistens die Aussage „Weil es dann im Kopf hängen bleibt“. So weit, so gut. Sobald allerdings die Frage gestellt wird, wie man wiederholen soll, kommt der Eine oder Andere ins grübeln. Schließlich kommt die Aussage „Indem du es einfach immer wieder und immer wieder liest.“ oder etwas ähnliches. Aber eins nach dem anderen. Fangen wir erstmal mit dem „wozu“ an.

Es ist schon richtig, dass das Wiederholen wichtig ist um etwas im Kopf zu behalten. Auf uns prasseln jeden Tag Millionen von Informationen ein, die verarbeitet werden müssen. Es genügt bereits sich umzuschauen. Wie viele Sinneseindrücke prasseln auf einen ein? Und was genau hat man heute bereits gesehen? Wie viel davon wurde bewusst wahr- und aufgenommen?

Unser Gedächtnis verarbeitet und filtert vieles von dem, was wir wahrnehmen. Würde es das nicht machen, so wären wir massenlos überfordert. An dieser Stelle verweise ich auf Savants, so genannte Inselbegabte, die zwar eine besondere Fähigkeit haben, aber im Alltag kaum zurecht kommen. Dies hängt meiner Meinung nach unter anderem mit der Menge an Informationen zusammen, die verarbeitet und richtig interpretiert werden müssen. Und da das Gedächtnis dieser Inselbegabten meistens eine „Schädigung“ hat, kann es nicht effektiv filtern. Das Gehirn filtert die Informationen nach wichtig und unwichtig. Einmalige Sinneseindrücke werden einfach „verworfen“, sofern diese nicht MERKwürdig, überlebenswichtig oder sinnvoll sind.

Was heißt das für uns? Wenn wir etwas durchlesen und hoffen, dass es beibehalten wird, dann dürfen wir uns auch über die enttäuschenden Ergebnisse nicht wundern. Zwar haben wir dem Lernstoff etwas Aufmerksamkeit geschenkt, aber hey: haben wir das nicht auch beim zubereiten des Frühstücks gemacht? Und was ist von dem gesamten Vorbereitungsprozess noch im Kopf geblieben? Wiederholungen sind somit notwendig, damit das Gedächtnis

  • die Wichtigkeit des Lernstoffes erkennt,
  • das Wissen sich verfestigt,
  • die Informationen verstanden werden,
  • das Gelernte besser vernetzt wird,
  • das Gelernte besser gefiltert wird.

Was heißt das genau?

  • Je öfter wir etwas Wiederholen, desto häufiger tritt es auf. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Wiederholte beibehalten wird.
  • Durch die gesamten Wiederholungen wird das Erlernte stets „bestätigt“ und verfestigt sich somit.
  • Zudem kennt sicherlich jeder das Aha-Erlebnis: erst ab einem gewissen Zeitpunkt macht es plötzlich „Klick“ und das, was wir vorher nicht verstanden haben, ist nun vollkommen klar.
  • Alles, was wir lernen, wird (im Idealfall) mit unserem bisherigen Wissen verknüpft. Wenn wir zum Beispiel an die Farbe Rot denken, dann kommen ganz viele Verknüpfungen hoch. Zum Beispiel das eigene Auto, das Lieblingshemd, der zuletzt gegessene Apfel usw.
  • Beim ersten bearbeiten des Lernstoffes erscheint einem so vieles wichtig. Nach mehrmaligen Wiederholungen ist es plötzlich nur noch die Hälfte.

Ein weiteres Kriterium für die Wiederholungen ist die sogenannte Kurve des Vergessens. Diese wurde von dem deutschen Psychologen Hermann Ebbinghaus entdeckt und genauer analysiert. Diese Kurve besagt, dass wir im Bezug auf die vergangene Zeit seit dem Lernen drastisch das gelernte vergessen. So sollen nach einer Stunde lediglich knapp 50% des gelernten im Kopf geblieben sein.

Damit dürfte sicherlich klar sein wie notwendig es ist den Lernstoff zu wiederholen WENN wir diesen lernen wollen. Wiederholen ist allerdings nicht gleich Wiederholen! An dieser Stelle ist also die folgende Frage maßgeblich: Wie wiederholen?

7 Tipps zum effizienten Lernen durch Wiederholungen

Bevor ich detaillierter auf die einzelnen Tipps eingehe, gebe ich hier eine grobe Übersicht:

  1. Art
  2. Zustand
  3. Intervall
  4. Dauer
  5. Uhrzeit
  6. Umgebung
  7. Häufigkeit

Art der Wiederholung

Das ist meiner Meinung nach das wichtigste Kriterium! Nichts ist langweiliger als die stets gleich bleibende Art der Wiederholung. Wir brauchen Abwechslung bei den Wiederholungen um die Motivation aufrecht erhalten zu können. So könnte diese Abwechslung unter anderem durch folgende Faktoren erfüllt werden:

  • Die Standardform: das Gelernte nochmal lesen
  • Aus dem Gedächtnis aufschreiben
  • Anderen das Gelernte vermitteln
  • kritisches Hinterfragen des Gelernten
  • Überlegen wo und wie genau das Wissen eingesetzt wird. Anschließend im Kopf einen kleinen Film auch ablaufen lassen und das Gelernte einsetzen
  • Fragen zum Lernstoff aufbauen

Zustand bei den Wiederholungen

Damit ist vor allem die eigene Einstellung und somit der emotionale Zustand beim Wiederholen gemeint. Wenn von vornherein die Lustlosigkeit vorhanden ist, dann ist es verständlich, dass wir uns das Gelernte schlecht merken.

An dieser Stelle ist die Selbstmotivation gefragt. Jedes Wissen kann in irgendeiner Weise für die eigenen Hobbys interessant und gewinnbringend eingesetzt werden. Es gilt lediglich herauszufinden wie es gemacht werden kann. Ein wichtiger Faktor ist die Frage warum ich das Wissen brauche. Was erreiche ich damit? Was entgeht mir, wenn ich das Wissen nicht behalte? Im optimalen Fall wird die eigene Motivation so weit getrieben, dass man erkennt welche Erleichterungen dieses Wissen im Alltag bringt und welche Nachteile damit verbunden sind, falls man es sich nicht merkt!

Vor allem ist es wichtig das Ganze emotional zu belegen. Sowohl die Vor- als auch die Nachteile sollten gefühlt werden!

Wenn es notwendig ist, dann kann die Motivation auch über den entfernten Horizont erreicht werden. Falls einem nicht klar ist, warum man die nächste Arbeit gut schreiben soll, dann lohnt sich die Frage nach der Auswirkung der Note. Wie verändert sich die Gesamtnote? Und was heißt das für den eigenen Abschluss? Und wie wirkt sich das auf meine Ziele aus? Es gilt also zu schauen, welche Veränderungen auf lange Sicht entstehen.
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Intervall der Wiederholung

In welchen Abständen sollte wiederholt werden? Wenn wir uns an dieser Stelle nochmal an die Vergessenskurve entsinnen, so sollte am besten alle 10 Minuten wiederholt werden. Dass das nichts bringt, dürfte sicherlich klar sein. Schließlich umfasst der Lernstoff meistens mehrere Seiten und um den gesamten Zusammenhang zu erkennen, braucht es Zeit bis alles abgearbeitet wird. Nichtsdestotrotz gibt es auch an dieser Stelle kleine Empfehlungen:

  • kurze gedankliche Überlegung was zum Beispiel auf einer Seite an Wissen aufgenommen wurde
  • nach einer Stunde Rückblick auf das Gelernte
  • kurz vor dem Schlafen erneut alles wiederholen, so dass das Gehirn die Möglichkeit hat das Gelernte in der Nacht zu verarbeiten
  • am nächsten morgen schauen, was von dem Gelernten noch sitzt
  • Unter der Woche nochmal wiederholen
  • je nachdem wie langfristig das Wissen sitzen soll, nochmals in 1-2 Wochen wiederholen

An dieser Stelle verweise ich nochmal auf die Art der Wiederholung!

Dauer der Wiederholung

Je nachdem welche Wiederholung es ist, sollte ruhig mal länger und mal kürzer wiederholt werden. So genügt es am Anfang das Ganze gedanklich durch zugehen, während zum Beispiel am nächsten Tag eine intensivere Wiederholung statt finden sollte.

Uhrzeit bei den Wiederholungen

Die Menschen werden nach dem Muster Eulen/Lerchen unterschieden. So gibt es die Sorte, die morgens fitter ist, während die andere Sorte eher am Abend aktiv ist. Somit hat jeder Mensch seinen eigenen Rhythmus.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich vor allem morgens und nachmittags sehr gut arbeiten und somit wiederholen kann. Allerdings sollte das Wiederholen nicht direkt nach dem Mittagessen statt finden.

Umgebung für die Wiederholungen

Die Umgebung, in der wiederholt wird, ist entscheidend. So fällt einem das Gelernte viel besser ein, wenn man es genau an dem Ort wiederholt, wo der Lernstoff aufgenommen wurde. Daher empfehle ich auch mal die Orte zu wechseln, um zu schauen ob das Wissen tatsächlich sitzt.

Falls später die Situation eintritt, dass das Gelernte vergessen wurde, so hilft es sich gedanklich auf den Lernort zu konzentrieren bzw. sich vorzustellen, wie man da sitzt.
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Fazit

Das Wiederholen ist ein wichtiges Kriterium für das Lernen. Entscheidend ist vor allem die Erkenntnis der Wichtigkeit des Lernstoffes. Wenn diese fehlt, so ist das Lernen um so schwieriger!

Und wie ist es bei euch? Wie oft wiederholt ihr den Lernstoff? Und vor allem in welchen Abständen und auf welche Art?