Was haben Ziele mit dem Lernen zu tun? Der eine oder andere hat sich sicherlich diese Frage bei der Überschrift gestellt. Eine Menge lautet schon mal an dieser Stelle die Antwort. Doch wozu sind Ziele beim Lernen gut und wie kann ich mir am besten Ziele setzen? Diese Fragen werde ich in diesem Artikel näher beleuchten.

Wozu ist „Ziele setzen“ gut?

Anders gefragt: Was verliert man, wenn keine Ziele gesetzt werden? Aus meiner Sicht nichts, denn die dafür benötigte Zeit ist minimal, die Wirkung erstaunlicherweise um so größer! Aber eins nach dem anderen.

Ziele als Orientierung
Was für ein Gefühl ist es von einem Tag in den anderen hinein zu leben, ohne zu wissen was dieser bringt? Ich denke mal jeder kennt diesen Zustand. Früher oder später führt das meistens dazu, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens aufkommt. Das führt allerdings auf Dauer dazu, dass das Leben immer mehr und mehr (zu unrecht) als sinnlos erkannt wird.

Und genau hier sollen Ziele ansetzen. Wer bereits im Vorfeld weiß, wohin er gehen möchte (auch wenn es nur eine grobe Richtung ist), fühlt sich von Tag zu Tag besser. Vorausgesetzt er läuft auch in diese Richtung! Ziele sind somit sehr gute Orientierungshelfer für das eigene Leben.

Ziele als Effizienzfaktor
Wer sich seine Ziele setzt und somit für sich selbst entscheidet in welche Richtung er wandern möchte, wird gleichzeitig effizienter. Man kommt einfach schneller im Leben voran, da einem bereits bewusst ist wohin dieses geht. Zudem ist einem bewusst warum die Tätigkeit gerade getan wird. Das führt wiederrum dazu, dass diese Aufgabe schneller erledigt wird (zumindest im Idealfall 😉 ).

Was kann ich/fehlt mir?
Ein weiterer wichtiger Vorteil von Zielen ist die Erkenntnis über die eigenen Fähigkeiten und die Punkte, welche noch erarbeitet werden sollen. Somit hat man eine Übersicht über Felder, die es noch zu bearbeiten gilt.

Beschränkte Zeit
Wenn man alles abzieht, was einen in dieser Welt nicht interessiert, so bleibt doch noch eine große Menge Sachen, für die einfach nicht genug Zeit vorhanden ist. Und um nicht jeder Gefühlsregung nachzugeben, sollten Richtungsweiser auf dieser Zeitstrecke aufgebaut werden. Das hat den Vorteil, dass man auch irgendwann ankommt und nicht vielen Sachen nachrennt, ohne irgendwas tatsächlich zu erreichen.

Ziele als Lernfaktor
Das gesamte Leben ist ein ständiger Lernprozess. Dabei ist die Lernmenge auf diesem Weg undurchschaubar. Um sich allerdings zurecht zu finden, sollten Ziele gesetzt werden. Das führt zur Ordnung des Weges und Zuversicht in die Zukunft.

Das sind nur einige weniger Argumente für die Zielsetzung. Für mich selbst war es entscheidend mein Leben besser in den Griff zu bekommen und meine Lernmenge zu verringern, indem ich entscheide wohin mein Weg geht und was für mich dabei wichtig ist. Was vor allem durch Ziele erreicht wird, ist ein Sicherheitsgefühl. Es ist das Gefühl der Übersicht und Ordnung über die gesamte eigene Entwicklung.

Ziele setzen ist allerdings ebenfalls eine Kunst für sich. Ich gebe hier rein subjektive Tipps, die bei der Zielsetzung wichtig sind.

Wie kann ich mir Ziele setzen?

Es ist eine kleine Anleitung, die jeder auch direkt umsetzen kann. Wie gesagt: Verlieren kann man nichts, nur gewinnen!

Zielbereiche
Bevor es an die Zielsetzung kommt, sollte beachtet werden, dass es insgesamt 3 Zielbereiche gibt:

  • Berufliche Ziele
  • Familiäre bzw. zwischenmenschliche Ziele
  • Ziele zur persönlichen Entwicklung

Diese Zielbereiche sollten idealerweise im Gleichgewicht gehalten werden. Schlimmstenfalls droht eine Unzufriedenheit, die in Depressionen umschlagen kann. Natürlich gibt es aber auch hier Menschen, die sich je nach Alter und Vorlieben in einem der Bereiche viel wohler fühlen.

Kommen wir nun zum Vorgang der Zielsetzung.

Aufschreiben aller Ziele
Nehme dir ein Blatt Papier und schreibe alles, aber auch wirklich alles, auf, was du jemals erreichen möchtest. Dabei gilt es die eigene Stimme „Ah ne, das schaffst du nicht“ abzuschalten. Schreibe dir alles auf, was dir in den Sinn kommt.

Nimm dir dafür am besten einen ganzen Tag und trage den Zettel bei dir. Sollte dir was neues einfallen, dann schreibe es direkt auf den Zettel auf. Ohne wenn und aber. Sofort aufschreiben ohne es auf später zu verschieben. „Später“ birgt nämlich die Gefahr, dass es vergessen wird.

Um auf mehr Ziele zu kommen, kannst du das eigene Leben einfach rückwärts betrachten: „Was soll auf meinem Grabstein stehen? Dieser Mensch hat folgendes im Leben erreicht:…“ Worauf willst du stolz zurück blicken?

Viel Geld zu haben ist übrigens kein Ziel. Das Geld dient meistens dem Zweck ausgegeben zu werden. Geld stellt somit ein Mittel zum Zweck dar. Der Zweck ist somit die Zielgebung!

Trennung nach Zielbereichen
Trenne nun die gesamte Liste auf weitere drei Blätter, die jeweils die oben erwähnten Zielbereiche darstellen. Wenn dir dabei neue Ziele einfallen, dann notiere diese natürlich ebenfalls.

Entscheidung über die Ziele
Nun gilt es sich drei neue Blätter zu nehmen und für jeden Zielbereich eine Sortierung vorzunehmen. Dabei sollen die Ziele nach Wichtigkeit sortiert werden. Dabei hilft eine einfache Frage: „Wenn ich nur ein Ziel erreichen bzw. eine Aufgabe erledigen könnte, welche wäre das?“. Schreibe diese Aufgabe bzw. das Ziel auf das neue Blatt auf und gehe so von Ziel zu Ziel.

Spaltung der Ziele
Als ich so vorgegangen bin, hatte ich um die 60-80 Ziele pro Bereich. Da auch meine Zeit beschränkt ist, galt es diese weiter einzuschränken. Dabei habe ich Einmal-Aktionen von Daueraktionen getrennt.

Anschließend habe ich jedes Ziel genauer betrachtet und mich gefragt wie mich dieses weiter bringt und warum ich es überhaupt erreichen will. Dabei ist es auch wichtig auf das eigene Gefühl zu hören. Wie fühlst du dich, wenn du dieses Ziel erreichst? Und wenn nicht? Verlierst du etwas dadurch?

Dieser Prozess hat dazu geführt, dass ich viele Ziele auf eine Sonderliste „Später betrachten“ aussortiert habe. Herausgekommen sind 10-15 Ziele pro Bereich. Ich empfehle dir ebenfalls diese Aussortierung vorzunehmen.

Wann will ich die Ziele erreichen?
Nun gilt es diese Ziele zu ordnen. Welches Ziel willst du zuerst, welches danach erreichen? Schreibe dir auch diese Ordnung auf einem Zettel für alle drei Bereiche auf. Setze dir Endpunkte, wann du diese Ziele endgültig erreichen willst!

Dieser Schritt ist ganz wichtig, da er dir unter anderem zeigt wie realistisch die gesamte Zielsetzung ist.

Fazit zum Prozess
Der gesamte Prozess hat dazu geführt, dass vor dir zwei unterschiedliche Listen liegen:

  • Meine persönlichen Ziele
  • Später-Ziele

Bis hierhin hast du dich intensiv mit den Zielen auseinander gesetzt, was dazu geführt hat, dass du deinen eigenen Weg klarer sehen solltest. Auch wenn es ein mulmiges Gefühl ist, so ist auch eine gewisse Sicherheit und ein „Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen.

Die Listen sind allerdings keinesfalls als endgültige, unveränderbare Vorgaben zu verstehen. Wir können unsere eigene Entwicklung meistens nicht vollständig voraussehen und vieles wird durch unvorhergesehene Ereignisse beeinflusst. Deshalb nehme ich mir zum Beispiel jedes Jahr meine Ziellisten vor und betrachte diese genauer. Dabei sehe ich viel interessantes und wundere mich teilweise welche Ziele mir vor einiger Zeit noch wichtig waren.

Ziele der nächsten 4 Jahre

Wer jetzt geglaubt hat, dass der Prozess abgeschlossen ist, den muss ich enttäuschen. Es ist wichtig sich Ziele zu setzen, noch wichtiger ist es allerdings diese auch zu erreichen. Denn es zählt nicht das, was du angefangen hast, sondern das, was du beendet hast! Aus diesem Grunde müssen die Ziele konkretisiert und auf absehbare Zeit gesetzt werden.

4-Jahre-Ziele
Es gilt nun anhand der bisherigen Überlegungen die Ziele für die nächsten 4 Jahre für jeden Bereich zu setzen. Wo genau willst du in 4 Jahren sein? Was willst du alles schaffen? Beachte hierbei, dass du nicht in den Herkules-Wahn verfällst und alle gesetzten Ziele in den vier Jahren erreichen willst. Hier gilt die Devise „weniger ist mehr“. Je weniger Ziele du dir für die nächsten vier Jahre setzt, desto mehr erreichst du!

Ich empfehle die gesetzten Ziele auf einem Flipchartblatt zu notieren und an einem gut sichtbaren Ort aufzuhängen. Das hat den Vorteil, dass du die Ziele immer siehst und genau weißt wohin die Reise geht!

Jahresziele und die Spaltung
Nach der Überlegung über die nächsten 4 Jahre ist das nächste Jahr dran. Wo willst du in einem Jahr sein? Was willst du alles geschafft haben? Danach nimmst du dir die Ziele für das nächste Quartal und anschließend für den nächsten Monat vor.

Wochenziele
Die Monatsziele stellen nun die Grundlage für die Wochenplanungen dar. Überlege am welchen Tag in der Woche du ungestört bist und plane an diesem 1-2 Stunden für die Wochenplanung ein. Dabei überlegst du dir ganz genau welche Ziele des Monats du erreichen willst. Notiere dir diese! Woche für Woche für Woche. In diesen 2 Stunden solltest du allerdings auch den Rückblick wagen. Welche Ziele hast du in der letzten Woche erreicht? Und warum? Wie hat dich das jetzt deinen Monatszielen näher gebracht? Und deinen Quartalzielen? Welche hast du nicht erreicht? Warum?

Es ist wichtig, dass du deinen Fokus nicht nur auf die nicht erreichten Ziele legst, sondern besonders auf die erreichten Ziele! Diese dienen nämlich ebenfalls als Motivationsgrundlage.

Tagesziele
Jeden Abend nehme ich mir 15-20 Minuten Zeit und überlege welche Wochenziele ich am nächsten Tag umsetzen will. Diese notiere ich mir wiederum und visualisiere anschließend den Tagesablauf. Dabei versuche ich die benötigte Zeit für die Aufgaben einzuschätzen und verplane nicht mehr als 60% meiner Arbeitszeit. Der Grund ist ganz einfach: es kommen immer unvorhergesehene Ereignisse! Auch wenn ich diese bewusst eindämme, so gibt es immer einige Punkte, die ganz wichtig sind. Diese dürfen nicht vernachlässigt werden.

Rückblick
Wie bereits geschrieben, überlege ich mir jeden Abend was ich am nächsten Tag mache. Dabei blicke ich kurz zurück was ich erreicht habe und das motiviert mich für den nächsten Tag.

Genau so mache ich es am Ende der Woche. Hier schaue ich wie weit ich meinen Monats- und Quartalzielen näher gekommen bin.

Am Monatsende blicke ich ebenfalls zurück und überlege wie es mich meinen Quartal- und Jahreszielen näher gebracht hat. Anschließend plane ich den nächsten Monat. Dafür nehme ich mir um die 2-3 Stunden.

Am Quartalende wage ich ebenfalls einen Rückblick und schaue wie nah ich meinen Jahreszielen und meinen 4-Jahreszielen gekommen bin. Anschließend wird das nächste Jahr geplant.

Bei den Jahreszielen wage ich zwar ebenfalls den Rückblick auf das Jahr und schaue wie ich mich weiter entwickelt habe, aber ich plane auch das „neue“ vierte Jahr für die „4-Jahre-Ziele“. Schließlich ist es ein fortlaufender Prozess, so dass auch die eigenen Ziele zukunftsgerichtet vorhanden sein sollten.

Zielformulierung

Auch bei der Zielformulierung gibt es einige Punkte zu beachten. Diese will ich hier nun stichpunktartig nennen.

  • Ziele SMART setzen = Spezifisch, Messbar, Angemessen, Realistisch, Terminiert. Mehr dazu bei Wikipedia.
  • Ziele positiv formuliert. Statt „In den nächsten 10 Tagen ernähre ich mich nicht mehr ungesund.“ lieber „In den nächsten 10 Tagen ernähre ich mich gesund.“. Das Gehirn kennt das Wort „nicht“ nicht. „Stelle dir keine Maus vor.“ dürfte es deutlich machen.
  • Ziele Ich-formuliert aufschreiben. Du kannst nur die Ziele erreichen, für die du verantwortlich bist!
Fazit zur Zielsetzung

Ich würde jetzt gerne bei dem Thema weiter ins Detail gehen. Der Artikel ist allerdings bereits jetzt riesig.

Dem einen oder anderen wird es nach viel Schreibarbeit vorkommen. Ich habe tatsächlich 7 Tage für den gesamten Prozess gebraucht. Und dann noch weitere Tage um das System zu etablieren, denn es war nicht einfach am Abend den nächsten Tag zu planen. Es hat sich allerdings gelohnt!

Heute erledige ich mehr. Und das hat wiederum dazu beigetragen, dass ich zufriedener geworden bin. Und das Schreiben würde ich auch wieder so machen. Auf diesem Weg bin ich praktisch gezwungen mich intensiv mit dem Thema auseinander zu setzen, denn wenn ich etwas schreibe, dann spreche ich es auch mit. Dabei suggeriere ich mir wiederum die Ziele, und das ist doch ein toller Nebeneffekt.

Insgesamt besteht mein System aus den beiden Zetteln „Später“ und „Meine Ziele“. Die Ziele für die nächsten 4 Jahre plane ich ebenfalls auf einem Zettel. Für die restlichen Ziele habe ich eine Pinnwand und ein Whiteboard. Die Pinnwand ist in 4 Bereiche eingeteilt. Im ersten Bereich befinden sich meine Jahresziele, im zweiten Bereich meine Quartalziele, es folgen die Monatsziele und die Spalte für erledigte Ziele. Das Whiteboard ist in drei Bereiche eingeteilt: Wochenziele, Tagesziele, erledigte Aufgaben. Ich arbeite sowohl bei der Pinnwand als auch beim Whiteboard mit Notizzetteln, auf die ich die Aufgaben aufschreibe. So kann ich diese von einer „Station“ zur anderen verschieben.

Die Ziele sind somit stets vor meinem Auge und ich weiß was ich noch zu erledigen habe.

Und wie sieht es bei euch aus? Plant ihr eure Ziele? Oder lässt ihr alles auf euch zukommen?